In Mendig hat sich in den letzten Wochen das Bündnis „Schöner leben ohne Nazis“ gegründet. Es besteht aus dem Bündnis 90/Die Grünen Ortsverband Mendig, den Antifaschistischen Sozialist_innen Rhein-Ahr, der Linksjugend [’solid] Großraum Koblenz, Die Linke Kreisverband Mayen-Koblenz, SJD – Die Falken Ortsverband Andernach und der Kampagne „Ladenschluss“ Nördliches Rheinland-Pfalz. Unterstützt wirkt der Beratungsknoten Koblenz des Beratungsnetzwerks gegen Rechtsextremismus in Rheinland-Pfalz, welches dem Landesjugendamt angegliedert ist, mit.
Die Kampagne „Ladenschluss“ welche über Geschäfte, Versände, Marken und Lifestyletrends der Neonaziszene im nördlichen Rheinland-Pfalz aufklärt und unter anderem auch das Geschäft „Ganghouse“ untersucht, hatte den Anstoß für das Bündnis „Schöner leben ohne Nazis – In Mendig und überall“ gegeben.
Ziel des Bündnis ist es neonazistische Strukturen aufzudecken und sie aus dem öffentlichen Raum zurück zu drängen. Deshalb wird das Bündnis am Donnerstag den 12.10.2009 einen Infoabend zum Thema „neonazistischen Lifestyle“ mit einem Referenten vom Apabiz (Antifaschistisches Presse- und Bildungsarchiv Berlin) veranstalten.
Ein kurzer Rückblick der Ereignisse
Als das Geschäft „Ganghouse“ im Dezember 2007 in Mendig eröffnete und schnell klar wurde an welches Publikum sich das Sortiment des Ladens richtet gründete sich die „Antifaschistische Arbeitsgruppe Andernach-Mendig“ um das Problem des Ladens in Mendig zum Thema zu machen. Nachdem der Besitzer des Ladens „Patrik Lehmitz“ mehrfach über die in seinem Sortiment vorhanden Artikel mit neonazistischen Hintergrund informiert wurde und eine Antwort ausblieb organisierte die „AFAG“ Im Juli 2008 einen Infoabend der sich mit einer Analyse des Sortiments und dem Umfeld des Geschäfts „Ganghouse“ beschäftigte. Obwohl der Infoabend gut besucht war und das Thema in Mendig auf großes Interesse stieß blieb eine Reaktion, außer der des Ortsverbands der Grünen, aus. Deshalb veranstaltete die „AFAG“ im September 2008 ein Konzert unter dem Motto „Turn it up! Kein Bock auf Naziläden in Mendig das erneut dazu beitragen sollte die Mendiger Öffentlichkeit über die Problematik des Geschäfts Ganghouse“ aufzuklären.
Nach diesen Veranstaltungen veröffentlichte die „AFAG“ im November 2008 ein umfangreiches Dossier welches eine detaillierte Analyse des Sortiments und dessen Hintergründe beinhaltete.
Trotz Sensibilisierung und versuchten Aufklärung der Mendiger Öffentlichkeit, entstand zwar größtenteils Empörung in Mendig doch Reaktionen und Kritiken gegenüber dem Laden blieben, mit Ausnahme der Grünen, von Seiten der Politik aus.
Die Polizei verharmloste das Problem Ganghouse und versuchte den Laden zu einem reinen Onlineshop herabzustufen obwohl sie das Sortiment ebenfalls der rechten Szene zuordnet und es ersichtlich war dass es sich beim ,,Ganghouse“ um ein voll ausgestattetes Geschäft mit Schaufenster inklusive Auslagen, Regale und Kleidungsständer handelt.
Nachdem es eine Zeit lang still um den Laden „Ganghouse“ wurde entstand im Mai 2009 die Kampagne „Ladenschluss! Keine Geschäfte mit Neonazis“.
Die Kampagne wurde von verschiedenen antifaschistischen Gruppen, Initiativen und Einzelpersonen aus dem nördlichen Rheinland-Pfalz gegründet und informiert über insgesamt fünf Läden mit neonazistischem Hintergrund aus der Region. Die Kampagne die unter anderem auch das Geschäft „Ganghouse“ zum Thema hat gab in Mendig den Anstoß zur Gründung des Bündnis „Schöner leben ohne Nazis“ das sich erneut dem Problem „Ganghouse“ zuwenden will und zum Ziel hat neonazistische Strukturen aufzudecken und sie aus dem öffentlichen Raum zurück zu drängen (siehe Oben)
Sortiment und Ausrichtung des Geschäfts „Ganghose“
Das Geschäft „Ganghouse“ bietet neben Militär-und Securitybekleidung, viele Modeartikel der Marke „Thor Steinar“ und „Erik&Sons“ an.
Thor Steinar:
Thor Steinar ist so codiert, dass sie nur die Anhänger und Sympathisanten der eigenen Neonazi-Szene entschlüsseln können. Daher eine kurze Erläuterung.
Das Logo von Thor Steinar besteht aus einer Kombination von zwei Runen, einer Binderune. Runen als alt nordisch-germanische Zeichen finden in der Neonazi-Szene häufig Verwendung, da sich die Neonazis durch sie auf ihre vermeintlich nordisch-germanischen Wurzeln besinnen wollen. Das Logo von “Thor Steinar” wurde aus der Tyr-Rune (Todesrune) und der Gibor-Rune (Wolfsangel) zusammengesetzt. Im Nationalsozialismus fand sie Verwendung im Abzeichen der Reichsführerschulen und der 32. SS-Division “30. Januar”. Die Wolfsangel fand Bedeutung als völkisches Widerstandssymbol. Sie wurde u.a. von Nazi-Werwolfeinheiten und Sabotagegruppen in der Endphase des Zweiten Weltkrieges verwendet.
Auch das Symbol der neonazistischen “Kameradschaft Treptow” weist eine nicht zu übersehende Ähnlichkeit zum “Thor Steinar”-Logo auf. Auf einigen Kleidungsstücken von “Thor Steinar” prangt außerdem offen Werbung für das schwedische Rechtsrock-Label “Ultima Thule”, das die gleichnamige Rechtsrockband verlegt.
“Thor Steinar” ist eine Kleidungsmarke, die aus dem Umfeld der Nazi-Szene produziert und vertrieben wird, die sich völkischer Symbolik mit NS-Bezug bedient und vor allem von Neonazis getragen wird.
Erik&Sons:
Im Gegensatz zu „Thor Steinar“ ist die Kleidungsfirma „Erik&Sons“, die sich auf dem neonazistischen Markt etabliert hat, juristisch unauffälliger. Der Name „Erik&Sons“ bezieht sich sehr wahrscheinlich auf die Historie von Erik dem Roten (ca. 950 bis 1003) und seinen Sohn Leif Erikson (ca. 970 bis 1020). Erik der Rote gilt als der erste Gründer von Wikingersiedlungen in Grönland. Neben dem historischen Bezug zu den Germanen, bezieht sich auch der Namenszusatz ,,Viking Brand” eindeutig auf die germanische Ethnie, die wegen ihrer kämpferischen und „männlichen Eigenschaften” gerne von Neonazis benutzt wird. Das Logo von „Erik&Sons“ ist die Naudiz Rune. Das ,,N” steht für ,,Not” bzw. eine ,,große Macht, die durch Widerstand erwächst”. Zudem ist das Logo eine stilisierte Form der Wolfsangel, ein Symbol, welches beispielsweise auf den Dolchen der SS vorzufinden war. Die Wolfsangel wird heute noch gerne von Neonazis
verwendet, die die Tradition der Werwölfe fortführen möchten. Unter diesen “Traditionen” verstehen sie unter anderem die Schändung von Grabstätten. Erik&Sons“ ist eine neuere Marke und deshalb noch juristisch unbeachtet geblieben. Jedoch lässt sich die Marke eindeutig der neonazistischen Szene zuordnen, mit klaren Botschaften und Absichten. Typischerweise sind die Motive verschlüsselt, sodass Außenstehende sie nicht verstehen, sondern nur szeneinterne Menschen sie als neonazistisch erkennen. „Erik&Sons“ ist eine Marke von Neonazis für Neonazis, weshalb man ihr mehr Aufmerksamkeit ,,schenken” sollte, um ähnliche Verbote wie beispielsweise das Stadionverbot bei „Thor Steiner“ zu erzielen.
Webseite von Ladenschluss: http://keinegeschaeftemitneonazis.blogsport.de/
Investigate Thor Steinar : http://investigatethorsteinar.blogsport.de/download/